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Berichte

Forum2014
„Deutsche und Russen im Dialog –
Kompetenz - Erfahrung - Kontinuität“
Berlin, 27.09.2014, Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur

Veranstalter: Go East Generationen e.V. (GEG) und
       Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur, Berlin (RHWK)


Der Alumni-Verein Go East Generationen e.V. GEG hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ressourcen der Absolventen russischer und sowjetischer Hochschulen in Deutschland, von Deutschen wie Russen zu bündeln, um sie für die deutsch-russischen Beziehungen in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Forschung, Kultur, Zivilgesellschaft und bei sozialen Projekten nutzbar zu machen. Ehemalige und aktive Studenten aus der Sowjetunion bzw. der Russischen Föderation in Deutschland und deutsche Studierende in der Sowjetunion/Russland sind über ihre Zeit im Gastland hinaus in den bilateralen Beziehungen aktiv. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und viele Stiftungen und Universitäten pflegen die Kontakte mit diesen Alumni zum gegenseitigen Vorteil.
Go East Generationen e.V. verfolgte mit dem Forum „Deutsche und Russen im Dialog – Kompetenz - Erfahrung - Kontinuität“ am 27.09.2014 das Ziel, Studenten und junge Wissenschaftler sowie Alumni, die als Akteure und Erfahrungsträger der deutsch-russischen Zusammenarbeit in Wissenschaft und Hochschulkooperation tätig sind, für einen ganzen Tag zusammenzuführen, um so die Vielfalt, die historischen Wurzeln, aber auch die Klippen der über mehrere Jahrhunderte gewachsenen Beziehungen beider Länder in Bildung und Wissenschaft darzustellen, Neugier zu wecken und einer Übergabe des Staffelstabes an die nächste Generation den Weg zu ebnen. Die Initiative der Alumni beabsichtigte, auf Probleme, Ressourcen und Perspektiven der deutsch-russischen Wissenschafts- und Hochschulbeziehungen hinzuweisen, junge Menschen für aktives Mitwirken zu gewinnen, Chancen auszuloten, die Erfahrungen zwischen den Generationen auszutauschen, am Beispiel von Leuchtturmprojekten neue Wege aufzuzeigen, durch Erfahrungsaustausch Synergieeffekte zu erzielen. Dabei war den Organisatoren durchaus bewusst, dass das Forum in eine Zeit enormer Spannungen in den deutsch-russischen Beziehungen, ausgelöst durch den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, fiel. Es entspricht dem Grundanliegen des laut Statut unpolitischen Vereins, den zivilgesellschaftlichen Dialog ungeachtet aller Widrigkeiten nicht verstummen zu lassen.
Das von GEG und dem Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur gemeinsam veranstaltete Forum nahm das von den Regierungen beider Länder initiierte Kreuzjahr der deutschen Sprache in Russland bzw. der russischen Sprache in Deutschland zum Anlass. Es brachte 350 Menschen, davon allein etwa 50 Teilnehmer aus Russland, zusammen, die als Alumni und Akteure die deutsch-russische Zusammenarbeit insbesondere in Bildung und Wissenschaft, gestalten. Die Grundstruktur des Forums am 27.09.2014 bestand aus folgenden Modulen:
1. Projektbörse
2. Plenum inklusive offizielle Eröffnung und Begrüßung
3. Workshops
4. Öffentlichkeitsarbeit
5. Abendempfang in der russischen Botschaft

1. Projektbörse
Die Projektbörse versammelte 15 russische und deutsche Aussteller. Unter ihnen befanden sich namhafte Stiftungen, Fördereinrichtungen, Kooperationsprojekte und wissenschaftliche Institutionen, die über Möglichkeiten der Förderung deutsch-russischer Zusammenarbeit, über gemeinsame Vorhaben von Hochschulen und Forschungsinstituten sowie über verschiedene Formen des zivilgesellschaftlichen Dialogs informierten. Auf der Projektbörse stellten sich einschlägige gesellschaftliche Organisationen wie das Deutsch-Russische Forum, die Assoziation der Russischlehrer in Deutschland und die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch sowie GEG und andere Alumni-Vereine vor. Die Resonanz auf die Projektbörseübertraf die Erwartungen der Veranstalter. Die Ausstellung veranschaulichte die Vielfalt der Kontakte auf den
Gebieten von Wissenschaft und Bildung und ihre Einbindung in die Zivilgesellschaften beider Länder.

2. Eröffnung und Plenum
Das Forum wurde durch kurze Begrüßungsreden des Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafters der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland, V. M. Grinin, des Direktors des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur, O. J. Ksenofontov, sowie des Vorsitzenden von Go East Generationen e.V., Matthias Nagel, eröffnet. Alle Redner verwiesen auf die reiche Traditionen deutsch-russischer Zusammenarbeit auf dem Gebiet von Bildung und Wissenschaft, unterstrichen die Notwendigkeit, die bestehenden Kooperationslinien zu entwickeln und auszubauen sowie neue Felder zu erschließen und betonten ihre Dialogbereitschaft in Zeiten zwischenstaatlicher Spannungen.
Im Anschluss an die Workshops fand eine Plenarveranstaltung statt, die das Thema „Die deutsch-russischen Beziehungen des 20. Jahrhunderts in der Geschichts- und Erinnerungspolitik beider Staaten“ behandelte. Die anspruchsvolle Themenstellung ermöglichte es, sowohl die wechselvolle Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland im letzten Jahrhundert zu diskutieren, als auch Kernfragen der von der Geschichte geprägten aktuellen Debatte über die Zukunft des Verhältnisses zwischen beiden Ländern anzusprechen. Die Auswahl der Redner trug diesem ambitionierten Ansinnen Rechnung. Dr. Eberhard Kuhrt, langjähriger Sekretär der gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, berichtete über die Arbeit deutscher und russischer Historiker an einem Lehrbuch zur Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen im 20. Jahrhundert, das in diesem Jahr in deutscher und in russischer Sprache erschien. Er machte deutlich, dass die Historiker beider Länder bei der Darstellung zahlreicher Ereignisse trotz aller auf Konsens gerichteten Bemühungen durchaus differierende Ansichten vertraten, sich aber in der Lage sahen, mit
diesen Konfliktfällen so umzugehen, so dass das gemeinsame Anliegen nicht in Gefahr geriet. Er schilderte den Verlauf der Konfliktlinien und zeigte überaus anschaulich, wie bei der Bewertung der brisantesten Ereignisse der neuesten Geschichte um Kompromisse gerungen wurde. Prof. Dr. Oleg J. Plenkov, Deutschland-Experte an der Staatlichen Universität St. Petersburg, analysierte den Umgang mit der nazistischen Vergangenheit in Deutschland und vertrat die Ansicht, dass die in Deutschland erprobten Bewältigungsstrategien durchaus auch für die Auseinandersetzung mit den stalinistischen Verbrechen in Russland von Belang seien. Sie hätten sich allerdings angesichts der systemtragenden Bedeutung des Sieges der Sowjetunion über den Hitlerfaschismus nicht durchsetzen können. Prof. Stephan Merl von der Universität Bielefeld sprach über die deutsch-russischen
Beziehungen seit Beginn des 21. Jahrhunderts. In seiner gedankenreichen und pointierten Analyse vertrat er die Ansicht, dass die gegenwärtigen Spannungen in den deutsch-russischen Beziehungen nicht etwa erst in der aktuellen Ukraine-Krise entstanden sind, sondern spätestens seit dem ersten Maidan des Jahres 2004 eskalierten. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten beeinflussten seit dem Mauerfall zunehmend übersteigerte Erwartungen an den jeweils anderen, zahlreiche interkulturelle Missverständnisse, unerfüllte Versprechungen und Verheißungen sowie Hegemoniebestrebungen seitens der NATO, in die Deutschland stets eingebunden war, und imperiale Sehnsüchte Russlands, die immer mehr auf die politische Agenda gerieten. Die von Dr. Stefan Karsch von der Humboldt-Universität zu Berlin moderierte Plenardiskussion verlief lebhaft, kontrovers und leidenschaftlich. Ihr Verlauf offenbarte den Wunsch der meisten Anwesenden, den Dialog mit der Zivilgesellschaft Russlands fortzuführen.

3. Workshops
Den Schwerpunkt des Forums „Deutsche und Russen im Dialog – Kompetenz - Erfahrung - Kontinuität“ bildeten zweifellos die sechs jeweils dreistündigen Workshops.

a. Workshop "Schlüsselkompetenz Fremdsprache: Russisch für die Karriere"
Organisatorinnen Dr.Brigitte Dreßler (Leiterin Testzentrum TORFL, stellvertretende Leiterin Zentraleinrichtung Fremdsprachen,                                   Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin)
                                  Olga Vaulina (Kaiser Communication GmbH)
Referenten             Andreas Jopt (Vertretung der Handels- und Industriekammer Russlands in Deutschland,
                                  Absolvent der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin)
                                  Mathias Merta (Kaufmännischer Projektleiter Siemens AG, Absolvent der Hochschule für
                                  Technik und Wirtschaft Berlin )
                                  Irina Slot – Dozentin für Interkulturelle Kompetenz
                                  Ludwig Schwegmann (Managing Partner, Schwegmann & Co)
                                  Leo Weschmann (Institutsleiter des Russicums am Landesspracheninstitut in der Ruhr- Universität Bochum)
Ausgehend von den Darlegungen des Weißbuches zur allgemeinen und beruflichen Bildung Lehren und Lernen der EU (Auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft, 1995), dass "die Sprache eine wichtige Brücke ist,über die man die anderen kennen lernt", diskutierten die Teilnehmer des Workshops die Frage, welche Vorteile Sprachkenntnisse, in diesem Fall Russischkenntnisse, auf dem Arbeitsmarkt bringen. Auf Grund eigener Erfahrungen argumentierten die Referenten des Workshops "Russisch für die Karriere" über das Für und Wider des Beherrschens der russischen Sprache. Unter ihnen befanden sich beruflich auf dem russischen Markt Tätige sowie Dozentinnen und Dozenten für Russisch als Fremdsprache.
Der Workshop "Russisch" und das Forum2014 fanden im Rahmen des Jahres der russischen Sprache und Literatur in Deutschland statt. Gerade jetzt in der schwierigen außenpolitischen Situation erschien es den Teilnehmern wichtig, die Türen zueinander offen zu halten, einen intensiven Dialog auf fachlicher Ebene zu führen und langjährige beruflich geprägte und persönliche Kontakte zu pflegen. Dabei würden den Menschen die Kenntnisse der russischen Sprache helfen. Die Referenten des Workshops brachten unterschiedliche Meinungen in die Diskussion ein. Die meisten plädierten dafür, dass Russischkenntnisse für Geschäfte in Russland unabdingbar seien, das Argument, dass Empathie wichtiger als solide Sprachkenntnisse sei, wurde hingegen widerlegt. Man kam zu der Erkenntnis, dass Russischkenntnisse auf jeden Fall Vorteile auf dem Arbeitsmarkt schaffen, unabhängig davon, wie perfekt diese Russischkenntnisse seien. Als hilfreich bei der Suche nach einem Job in Unternehmen, die Fachkräfte mit Russischkenntnissen suchen, erwiesen sich an internationalen Standards gemessene zertifizierte Russischkenntnisse. Anwesende Vertreter zweier Testzentren für den Test Russisch als Fremdsprache verwiesen auf die Möglichkeit des Ablegens dieses Tests in ihren Einrichtungen (ZE Fremdsprachen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Frau Dr. Dreßler; LSI der Ruhr-Universität Bochum, Dr. Weschmann). Außerdem wurde herausgearbeitet, dass neben den Sprachfertigkeiten Kenntnisse der Kultur eine bedeutende Rolle spielen. Die Sprache sei gleichzeitig Schlüssel zur Kultur und zum Verständnis des Landes.
Bezüglich des Einstiegs in den Prozess des Erlernens der Fremdsprache wurde wiederum aus dem Weißbuch zitiert, "dass ein möglichst frühzeitiger Beginn ein nicht zu vernachlässigender Faktor für den Erfolg in der Schule ist. Der Kontakt zu einer anderen Sprache ist mit der Beherrschung der Muttersprache nicht nur vereinbar, sondern fördert diese sogar noch." In diesem Zusammenhang verwiesen die Referenten auf die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, die einen Russlandbezug forcieren, mit schulischen (LSI der Ruhr-Universität Bochum) und Vorschuleinrichtungen (Lichtenberger Netzwerk für bilinguale deutschrussische Bildung und Kultur / HTW Berlin). Darauf aufbauend unterstrichen die Referenten und Teilnehmer, dass bereits in der Schule für ein Erlernen der russischen Sprache zu motivieren sei, wobei dies als Aufgabe sowohl der Lehrer als auch der Eltern und übergreifender Organisationen gelte. Zweifelsohne komme den Russischlehrern dabei eine besondere Rolle und Verantwortung zu, und die Diskussionsbeiträge bewiesen, dass das Engagement der Lehrenden sowie die Qualität ihrer Lehre eine unabdingbare Voraussetzung für dasÜberleben und die weitere Entwicklung des Russischunterrichts an Bildungseinrichtungen bildeten. Das Vermitteln landestypischer kultureller Besonderheiten spiele insbesondere im Russischunterricht eine herausragende Rolle. Anwesende Lehrende und Lernende bestätigen, dass das Verkosten typischer
russischer Getränke (Kwas, Tee aus dem Samowar) und Speisen (Bliny, Pelmeni, Borschtsch) einen bleibenden Eindruck und ein motivierendes Element im Stadium des Erlernens der russischen Sprache bildeten, welches sich im späteren beruflichen Einsatz der erworbenen Kenntnisse voll und ganz bestätigte.
Die anwesenden Vermittler der russischen Sprache waren sich dessen bewusst, dass sie durch ihre intensive Motivation für ihr Fachgebiet einen gewissen Vertrauensvorschuss ihrer Lernenden erwerben, den sie durch Engagement und Qualität in der Lehre einzulösen hätten. An dieser Stelle wurden kritische Stimmen anwesender Studierender der Slawistik sowie jüngerer Absolventen eines Slawistikstudiums laut, die teilweise von einem tiefen Motivationsknick bezüglich der gewählten Studienrichtung zeugen. Die Klärung dessen, ob die Ursachen dafür persönlicher Natur oder in der Qualität der gegenwärtigen Slawistikausbildung zu suchen seien, verstanden die Teilnehmer und Organisatoren des Workshops als ihre Aufgabe und Problemstellung, die es an geeigneter Stelle zu hinterfragen gilt.
Im Ergebnis der Diskussion werden die Organisatoren des Workshops gebeten, eine Resolution an die Organisatoren des Jahres der russischen Sprache und Literatur in Deutschland zu verfassen, in der einerseits auf die in der Diskussion aufgeworfenen Probleme aufmerksam gemacht werden soll, andererseits positiv hervorzuheben ist, dass das Erlernen der russischen Sprache (im Gegensatz zur englischen) nach wie vor einer verstärkten Promotion bedarf.

b. Workshop „Mentale Gesundheit und erfolgreiche Integration“
Organisation           Koch-Metschnikow Forum
                                  Prof. Dr. Nelli Chrustaleva (Inhaberin des Lehrstuhls für Krisen- und Extremlagenpsychologie der                                   Psychologischen Fakultät der Staatlichen Universität St. Petersburg)
Referenten             Prof. Dr. Nelli Chrustaleva
                                  Olga Mokrecova (Dozentin am Lehrstuhl für Krisen- und Extremlagenpsychologie der
                                  Psychologischen Fakultät der Staatlichen Universität St. Petersburg)
                                  Dipl.-Psych. Angelika Ribak (Psychologin an der psychiatrischen Universitätsklinik
                                  Charité im St. Hedwig Krankenhaus Berlin)
                                   Valerija Potjavina (Dozentin am Lehrstuhl für Krisen- und Extremlagenpsychologie der
                                  Psychologischen Fakultät der Staatlichen Universität St. Petersburg)
                                  Dr. Antonina Cymbal‘ (Dozentin am Lehrstuhl für Krisen- und Extremlagenpsychologie
                                  der Psychologischen Fakultät der Staatlichen Universität St. Petersburg)
                                  Dr. Ides Boone (Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin)

Die Vorträge behandelten unterschiedliche psychologische Aspekte des Themas Gesundheit für die fortschreitende gesellschaftliche Integration. Es wurde versucht, ein Gesamtbild zu schaffen und die Themenkomplexe mentale und physische Gesundheit als Faktoren der Anpassung und Integration aus dem Blickwinkel der Psychologie und der Medizin im Allgemeinen zu beleuchten.
Im Auftaktvortrag berichtete Frau Prof. Chrustaleva über „Acht Arten von psychologischen Traumata bei Migranten der ersten Generation“ sowie über die fünf Stadien der sozial-psychologischen Anpassung. Sie stellte ein Konzept der psychologischen Hilfeleistung vor, welches auf der langfristigen Arbeit mit Einwanderern basiert. Im zweiten Vortrag konzentrierte sich Frau Mokrecova auf das Thema psychische Gesundheit von Gastarbeitern und stellte die Ergebnisse ihrer in St. Petersburg durchgeführten Studie vor. In ihrer auch für Deutschland relevanten Analyse wurde eine Prognose der psychischen Gesundheit unter den Gastarbeiter je nach ihrer Einstellung zur Dauer des Verbleibes im Zielland erstellt. Die Diplompsychologin Angelika Ribak berichtete über das „Weddinger Modell“ als einen Perspektivwechsel in der bisherigen stationären psychiatrischen Behandlung, bei welchem viele Berufsgruppen über die psychiatrische Versorgung hinaus einbezogen werden. Angehörige, kulturelle Einrichtungen, externe Träger und Unterstützer werden bei Bedarf und vor allem auf Wunsch des Patienten einbezogen. Frau Ribak beabsichtigte, im Rahmen des Workshopsüber die möglichen Vor- und Nachteile dieser Behandlungsmethode bei Migranten zu diskutieren. Das Forschungsprojekt von Frau Potjavina behandelte die Frage nach den sozial-psychologischen und persönlichen Ressourcen behandelnder Ärzte. Im Mittelpunkt stand der Zusammenhang zwischen
Ressourcen und den subjektiven und objektiven Indikatoren für den beruflichen Erfolg. Die Studie erregte besonderes Interesse wegen ihrer Relevanz für die Analyse der Eigenschaften der ärztlichen Laufbahn als gesellschaftlichem Integrationsfaktor u.a. auch für Deutschland. Im Bericht von Frau Dr. Cymbal‘ ging es um die Bereitstellung psychologischer Hilfeleistungen für Opfer von Verkehrsunfällen vor dem Hintergrund der Verkehrssituation in Russland. Der Umzug nach Deutschland bereite vielen russländischen Fahrern Schwierigkeiten, da er eine gravierende Umstellung auf die neuen Straßenverhältnisse nach sich zieht und bei der Berücksichtigung der Verkehrssituation in Deutschland in Betracht gezogen werden muss. Im Vortrag von Dr. Boone wurden die Themen Mentale Gesundheit und Lebensmittelsicherheit miteinander verknüpft. Der Referent verwies insbesondere auf die mit lückenhafter Lebensmittelsicherheit zusammenhängende Krankheiten, wie bakterielle Gastroenteritis und deren Auswirkung auf die Mentale Gesundheit.

c. Workshop „Bildungschancen in der Russischen Föderation“
Organisation       Dr. Dietmar Wulff (Go East Generationen e.V./Higher School of Economics, Campus St. Petersburg)
Impulsvorträge   Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Stephan Merl (Universität Bielefeld)
                              Prof. Dr. Alexander M. Semenov (Dekan, stellvertretender Direktor, Higher School of Economics,
                              Campus St. Petersburg)
                              Prof. Dr. Andrej B. Sokolov (Dekan, Staatliche Pädagogische Universität Jaroslavl‘)
                              Dr. Stefan Karsch (Referent für Ost- und Mitteleuropa, Internationale Abteilung, Humboldt-Universität zu Berlin)

Die Teilnehmer des Workshops diskutierten Möglichkeiten und Grenzen der wissenschaftlichen Kooperation zwischen Deutschland und Russland. Dazu gehören Kompatibilitätsprobleme zwischen deutschen und russischen Hochschulen, die gegenseitige Anerkennungen von Studienleistungen und Abschlüssen, Bildungschancen im postsowjetischen Raum sowie Perspektiven des akademischen Austausches. Der Workshop fand in Form eines Podiumsgespräches statt.
Die im Podium versammelten Redner deckten durchaus ein repräsentatives Spektrum ab. Prof. Semenov, Dekan und stellvertretender Direktor der St. Petersburger Filiale der elitären Higher School of Economics, wie auch Prof. Sokolov, Dekan der Geschichtsfakultät der Pädagogischen Universität Jaroslavl‘, einer aufstrebenden Universität aus der russischen Provinz, berichteten über die Ressourcen und Perspektiven ihrer Universitäten. Sie verwiesen auf die großen Anstrengungen, die unternommen werden, um die jeweiligen Universitäten in den Bologna-Prozess zu integrieren. Zumindest in Teilbereichen könnten sie ausländischen Studierenden attraktive Angebote und gute Bedingungen bieten.
Dr. Karsch schließlich als zuständiger Referent an der HU Berlin und Prof. Merl, der mehrere Partnerschaftsprojekte der Universität Bielefeld mit Hochschulen in Osteuropa, darunter auch in Russland inauguriert und geleitet hat, setzten die Diskussion aus der Perspektive der Organisatoren deutsch-russischer Bildungszusammenarbeit fort. Gestützt auf langjährige Erfahrungen verwiesen beide Redner auf Probleme, die aus der Inkompatibilität der beiden Hochschulsysteme resultieren und die den bisherigen Anstrengungen in der bilateralen Kooperation Grenzen setzen.
Insgesamt brachten die Teilnehmer des Podiums die unterschiedlichen Blickwinkel und Sichtweisen auf den akademischen Austausch und die Kooperation zwischen deutschen und russischen Hochschulen zum Ausdruck. In den Impulsreferaten und in der Diskussion wurde deutlich, welch außerordentlich großen Stellenwert der deutsch-russische akademische Austausch in den internationalen Beziehungen der Hochschulen beider Länder nach wie vor und trotz aller Krisen einnimmt. In der Diskussion kamen auch jene Umstände zu sprachen, die die Erreichung von Äquivalenz im akademischen Austausch behindern. Insbesondere verwiesen die Diskutanten auf die Notwendigkeit, die wechselseitigen Informationsdefizite über Ressourcen, Möglichkeiten und Perspektiven der Hochschullandschaft in Deutschland und in Russland zu beheben. Für die weitere Verbesserung der Hochschulbeziehungen und für den Ausbau des akademischen Austausches schien es den Teilnehmern unausweichlich, die Visum- Melde- und Registrierungsbestimmungen einfacher und transparenter zu gestalten und wichtige Aspekte der Bologna-Vereinbarungen, wie die wechselseitige Anerkennung der Studienleistungen und Abschlüsse, praktisch durchzusetzen. Ein weiteres Fazit der Diskussion bestand darin, die deutsch-russische Hochschulkooperation von allzu weit
gesteckten Ambitionen und Erwartungen zu befreien und die Perspektiven pragmatisch zu bewerten.

d. Workshop „Eurasische Union“
Organisation       Jan Berger (Go East Generationen e.V./Managing Director 2b AHEAD Think Tank)
Impulsvorträge   Uwe Leuschner (Vice President Business Development CIS DB Schenker)
                              Dr. Jelena Hoffmann (Honorarkonsulin der Ukraine)
                              Isabelle Weidemann ( Anwältin PricewaterhouseCoopers)
                              Prof. Dr. Andreas Steininger (Ostinstitut Wismar)
Der Workshop zur Eurasischen Union, der von über 90 Teilnehmern besucht wurde, beschäftigte sich vor allem mit der Frage, wie sich diese Union in Zeiten von Sanktionen und politischer Krise in der Ukraine entwickeln wird.
In einer lebendigen Präsentation führte Herr Leuschner durch die Geschichte der Vorläufer der Eurasischen Union, die Anfang nächsten Jahres offiziell aus der Taufe gehoben werden soll. Ihr Zustandekommen ist eine logische Erweiterung der heute schon funktionierenden Zollunion zwischen Belarus, Russland und Kasachstan, deren Vertragswerk in den Jahren 2004-2007 ausgehandelt wurde. Die Eurasische Union wird die bestehende Zollunion durch eine Wirtschaftsunion ersetzen. Und diese soll etappenweise durch eine Währungs-, Visa- und politische Union erweitert werden. Frau Hoffmann beantwortete die Frage, ob eine solche Union überhaupt ohne die Ukraine lebensfähig sei, positiv. Der Punkt sei vielmehr, eine vernünftige Strategie zu verfolgen, die die Ukraine als Brückenstaat zwischen EU und Eurasischer Union prosperieren lässt. Frau Weidemann und Prof. Steininger erläuterten sehr detailliert die negativen Auswirkungen der Sanktionen der EU gegen Russland und der russischen Antwort auf EU und US-Sanktionen.
Es war zu erwarten, dass die aktuelle Situation in der Ukraine die Diskussion vom Saal her prägen würde. Jedoch herrschte weitgehende Einigkeit darin, dass eine Debatte darüber, wer wann womit angefangen hat, nicht zielführend ist. Jetzt ginge es darum, Wege zu finden, aus dieser für alle Beteiligten unangenehmen Situation herauskommen, in der es nur Verlierer gibt und durch die jahrzehntelang Aufgebautes vor unseren Augen zerstört wird. Die große Mehrheit der Teilnehmer war sich darin einig, dass der Weg aus dieser Lage darin besteht 1) die Waffen schweigen zu lassen, 2) die Sanktionen zu beenden, und 3) sich beim Wiederaufbau der Ukraine auch finanziell stark und langfristig zu engagieren.
Neben den Stimmen, die sich fragten, wie die russische Seite zum Umdenken bewegt werden kann, gab es sehr klare Aufforderungen an deutsche und EU-Politiker selbst umzudenken, bis hin zur Forderung, zu akzeptieren, dass die Krim russisch ist.
Das Hauptziel, Russen und Deutsche (und auch Ukrainer) im Dialog zu halten, und zu überlegen, wie es weiter geht, wurde zumindest in dieser Diskussion eindeutig erreicht.

e. Workshop „Geschichtswerkstatt „Auslandsstudium“
Organisation       Prof. Dr. phil. Manfred Heinemann (Leibniz-Universität Hannover)
                              Prof. Dr.-Ing. habil. Maria Kononova (St. Petersburger Staatliche Polytechnische Universität)
                              RD Dipl.-Ing. Matthias Nagel (Go East Generationen e.V)
Referenten          Dr. Gerhard Kaiser (ehem. Fernsehen der DDR/Autor von „Arbeit hat bittre Wurzel, aber süße Frucht“)
                              Helmut Kinne (Absolvent des Moskauer Institut für Stähle und Legierungen „MISIS“)
                              Dr. Hans Matern (ehem. Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen der DDR, Abteilung Auslandsstudium)
                              Dr. Viktor A. Tupik (St. Petersburger Staatliche Elektrotechnische Universität „LETI“)
                              Dr. Sergey Guk (Technische Universität Bergakademie Freiberg)
Der Impulsbericht von Dr. Hans Matern, der der ersten 1952 nach Moskau entsandten Studierendengruppe angehörte und dort ein volles Chemiestudium absolvierte, erläuterte zunächst die Auswahl, Vorbereitung, Umstände, Bedingungen und Verläufe der ersten Aufenthalte von DDR-Studenten. Dr. Matern ging ergänzend auf seine spätere Tätigkeit im Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen und im RGW in Moskau ein. Dr. Gerhard Kaiser, Autor des sehr informativen Buches über den Austausch: „Arbeit hat bittre Wurzel, aber süße Frucht“, vertiefte und ergänzte diese Ausführungen. In der Diskussion mit den Teilnehmern aus dem Publikum kamen zugleich die Gründe sowie die nachhaltige Bedeutung des Auslandsstudiums für die eigene Biographie, in der Rückschau auch die eingetroffenen und/oder nichterfüllten Erwartungen an das Studium zur Sprache. Deutlich wurden die grundlegenden Erfahrungen, Wirkungen des Studiums in der Sowjetunion auf die eigene Persönlichkeit. Der Anfang sei wegen der fehlenden Russischkenntnisse mühsam und anstrengend gewesen. Die Vorbereitungskurse auf der ABF in Halle seien aus solchen Erfahrungen her besser geworden. Da die sowjetischen Hochschulen Studienplätze aus ihren Kontingenten bereitstellten, hatten eigene Studienanwärter sogar zu verzichten.
In der Erinnerung blieb auch das nicht einfache Gegenüber mit zwischen den erst einige Jahre zuvor aus dem Krieg gekommenen einheimischen Studierenden. Die Aufnahme in russische Familien ergab sich in vielen Fällen, wenn auch nach strenger Kontrolle. Das im Vergleich zu den russischen Kollegen hohe Staats-Stipendium erlaubte ein relativ sorgenfreies Leben, auch die Teilnahme am Kulturbetrieb, der für Studenten ohnehin sehr erschwinglich war. Nach der Rückkehr ergaben sich für diese Studenten in der Regel eine gute und langfristig positive Aussichten. Ihre Fachrichtungen waren ausgesucht.
Der Bericht von Dr. Tupik ging auf die heutigen Wünsche und Bedingungen für den Austausch ein. Dr. Guk informierte über die Aktivitäten der Bergakademie Freiberg. Helmut Kinne lenkte die Diskussion auf das heute bei weitem nicht ausgeschöpfte Potential für die Intensivierung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Favorisiert wurde in den Beiträgen für ein erfolgreiches Studium in Russland eine mehrfach gestufte Vorbereitung. Der Übergang in das russische Studium würde am besten zwischen Partnerhochschulen entwickelt, auch hinsichtlich der fachsprachlichen Vorbereitung und der Gewöhnung an die heutigen Lebensumstände. Die Teilnehmer sahen hier die Hochschulen und Austauschorganisationen, wie den DAAD, in der Pflicht.

f. Workshop „Europäische RF/SU-Alumni im Erfahrungsaustausch“
Organisation      Dr. Andreas Förster (Go East Generationen e.V.)
                             O. J. Ksenofontov (Direktor, Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur, Berlin)
                             Marita Müller (Go East Generationen e.V./Petersburger Dialog)
Die Teilnehmer des gut besuchten Workshops besprachen die Möglichkeiten, 2015 oder 2016 ein Europa-Treffen von RF/SU-Alumni durchzuführen. Insbesondere ging es um mögliche inhaltliche Schwerpunkte und Zielsetzungen, um den organisatorischen Rahmen einer solchen Veranstaltung, um Ansprechpartner und Zielgruppen sowie um die Erschließung der dafür erforderlichen finanziellen Mittel. Man war sich darüber einig, dass ein solches Treffen dazu beitragen könnte, die corporate identity von Absolventen russischer/sowjetischer Hochschulen zu stärken und deren Ansehen europaweit zu heben. In der Aussprache nahm die Benennung geeigneter Gesprächsthemen breiten Raum ein. Besonders häufig genannt wurden folgende Themen: die Anerkennung in Russland bzw. in der Sowjetunion erworbener Studienabschlüsse, Problem und Möglichkeiten bei der Arbeitssuche nach dem Studium, die Organisation und Gestaltung von Alumni-Vereinen, effektive Formen der Alumni-Arbeit, der Beitrag von Absolventen bei der Entwicklung zwischen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen der Entsendeländer und Russland. Die Teilnehmer des Workshops plädierten dafür, einen Überblick über bestehende Netzwerke von RF/SU-Alumni in Europa in tabellarischer Form zu erstellen. Man war sich darüber einig, dass die für Alumni zuständigen Strukturen von Rossotrudnichestvo in die Vorbereitung des Europa-Treffens einbezogen werden müssten.

4. Öffentlichkeitsarbeit
Die Vorbereitung des Forum2014 lag in den Händen einer vom Vorstand von Go East Generationen e.V. eingesetzten Arbeitsgruppe unter der Leitung von Matthias Nagel und Dietmar Wulff. Sie kooperierte eng mit der Direktion des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur. Die Öffentlichkeitsarbeit unterstützte KaiserCommunication GmbH. Die Tätigkeit der Arbeitsgruppe war von Anfang an daraus angelegt, einen möglichst großen Teilnehmerkreis für das Forum2014 zu rekrutieren. Bereits im März 2014 wurden Safe the Date Mitteilungen über das eigene und die einschlägigen sozialen Netzwerke und Websites platziert, im April 2014 ergingen Informationen über das bevorstehende Forum an die Printmedien. Im Juni konnte ein ansprechend gestalteter Einladungsflyer mit Hilfe der Adressendatenbanken von Go East Generationen, des DAAD und befreundeter Vereine versandt werden. Auch die bereits erwähnten sozialen Netzwerke wurden für den gezielten Versand der Flyer genutzt. Wir gehen davon aus, dass wir insgesamt ca. 10 000 Personen über das Forum2014 informieren konnten. Offizielle Medienpartner des Forums waren die Website www.russjahr.de, eine Seite, die speziell dem Kreuzjahr der russischen Sprache in Deutschland bzw. der deutschen Sprache in Russland gewidmet ist, sowie die Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ). Beide Medien berichteten sowohl im Vorfeld, veröffentlichten aber auch Berichte und Mitteilungen nach Abschluss des Forums. Die Veranstaltung nahm selbstverständlich in den Webpräsentationen von Go East Generationen e.V. und des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur breiten Raum ein.

5. Empfang
Im Anschluss an die Plenarsitzung fand ein festlicher Empfang in den Festsälen der Botschaft der Russischen Föderation Unter den Linden statt. Im Laufe des Empfangs kam es zu zahlreichen Begegnungen zwischen den Teilnehmern des Forums, russischen Gästen, den Vertretern von staatlichen und gesellschaftlichen Organisationen Deutschlands und Russlands. Diese eher informellen Treffen dürften den Boden für die Fortführung von fruchtbaren Kontakten genährt haben.
Das Forum „Deutsche und Russen im Dialog – Kompetenz - Erfahrung - Kontinuität“ am 27.09.2014 sowie das Rahmenprogramm verliefen unter günstigen organisatorischen Voraussetzungen. Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur stellte die benötigten Veranstaltungs- und Ausstellungsräume sowie die technische Ausrüstung zur Verfügung. Die Vorbereitung und Durchführung dieser Großveranstaltung war in dieser Form nur durch die Unterstützung des DAAD, des RHWK und die aktive ehrenamtliche Mitarbeit von Mitgliedern Go East Generationen e.V sowie anderer Alumni-Vereine möglich.

 

 
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