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Bericht

Festveranstaltung zum fünfjährigen Jubiläum am 3. Juli 2015

Am 3. Juli 2015 beging Go East Generationen e.V. in festlicher Atmosphäre im Magnus-Haus in Berlin mit Partnern und Freunden sein fünfjähriges Jubiläum. RD Matthias Nagel, Vorsitzender von GEG, begrüßte die über 100 Gäste der Veranstaltung, darunter Abgeordnete, Diplomaten, Verbandsvertreter und zahlreiche Mitglieder des Vereins. Er sprach den Wunsch aus, dass die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland wieder intensiver werden sollten und dass beide Völker nicht auseinander driften.

Begrüßung der Gäste durch Matthias Nagel
Zahlreiche Gäste waren der Einladung gefolgt.
In der ersten Reihe von links: Marita Müller, Vorstandsmitglied GEG, SE Botschafter Wladimir M. Grinin,
Prof. Dr. Johannes Grotzky und Dr. h.c. Lothar de Maizière

In einem Grußwort zum Auftakt der Veranstaltung dankte der Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Wladimir M. Grinin, den Mitgliedern des Vereins für ihren unermüdlichen Einsatz beim Ausbau nachhaltiger Beziehungen zwischen Russland und Deutschland. Er hob hervor, dass sich der Verein stets als Brückenbauer zwischen beiden Ländern verstanden habe und durch seine vielfältigen Aktivitäten dazu beitrage, dass der Gesprächsfaden nicht abreißt. Als Russlandkenner verstünden die Mitglieder des Vereins, Absolventen russischer und sowjetischer Hochschulen, die Mentalität der Russen nur allzu gut. Dazu gehöre, dass Russen auf Augenhöhe und mit Respekt behandelt werden wollten, ohne Besserwisserei und „Leviten“-Leserei, wie dies gelegentlich da und dort der Fall sei. Dass Wort „Russlandversteher“ gefiele ihm gar nicht so sehr im Zusammenhang mit Go East, das Wort Freunde charakterisiere das Verhältnis wesentlich besser.

Ansprache SE Botschafter Wladimir M. Grinin

Moderiert von Prof. Dr. Johannes Grotzky von der Universität Bamberg erzählte in einem anschließenden Gespräch der letzte Ministerpräsident der DDR, Dr. h.c. Lothar de Maizière, über seinen Werdegang und sein politisches Wirken. Zunächst wurde jedoch bedauert, dass der ebenfalls eingeladene Dr. Gregor Gysi, zu diesem Zeitpunkt noch Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag, aufgrund einer dringenden Auslandsreise nicht anwesend sein konnte. Sollte es im ursprünglich geplanten Dreiergespräch doch auch darum gehen, wie zwei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens trotz unterschiedlicher politischer Überzeugungen Freunde sein und bleiben können. So charakterisierte de Maizière sein Verhältnis zu Gysi dann auch als eines, das sich durch bedingungsloses Vertrauen auszeichnet. Man hätte auch in der Zeit der politischen Wende in der DDR und davor über alles reden können, von Kultur über Literatur bis hin zu Politik. Auch die gemeinsame Tätigkeit als Anwälte in der DDR wäre durch das Vertrauen in die Stärken des jeweils anderen sowie durch einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander geprägt gewesen.

Prof. Johannes Grotzky und Dr. Lothar de Maizière im Gespräch

Die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten bezeichnete de Maizière als Traum, der sich selbst als solcher bereits verboten hätte. Er habe nicht geglaubt, dass eine Systemüberwindung möglich sei. In seiner Zeit als Ministerpräsident habe er sich, leider weitgehend erfolglos, für mehr Versöhnung zwischen beiden Systemen eingesetzt. Er sei dennoch froh, dass es ihm gelungen sei, im Zuge der Einheit einige wichtige Punkte durchzusetzen, wie etwa die Anerkennung der Berufs- und Hochschulabschlüsse aus der DDR. Die Wiedervereinigung habe, so de Maizière, viele Baustellen hinterlassen. Dazu gehöre auch das Verhältnis zu Russland. Er habe manchmal das Gefühl, die Deutschen verhalten sich zu den Russen so, wie seinerzeit nach der Wiedervereinigung viele Westdeutsche zu den Ostdeutschen – von oben herab. Gerade kürzlich habe ihn der damalige sowjetische Präsident Gorbatschow daran erinnert, dass die Deutschen 200 Jahre zur Demokratie gebraucht hätten, in Russland seien seit dem Zerfall des Kommunismus noch nicht einmal 30 Jahre vergangen. Der Aufbau einer Zivilgesellschaft brauche Zeit und Geduld mahnte de Maizière. Die Beziehungen zu Russland seinen eine Frage praktischer Vernunft. Die Probleme der Welt ließen sich nur gemeinsam mit Russland lösen.

Der russische Präsident Putin mache die Liebe zu Russland nicht gerade leicht. Dennoch werde gegenseitig vieles von dem mühsam Aufgebauten leichtfertig eingerissen. Geschichte denke nicht in Jahren, sondern in Generationen. Demokratie brauche Demokraten. Diese müssten sich eben erst langsam entwickeln. Es sei in den letzten 25 Jahren nicht gelungen, eine emotionale Ebene zwischen Deutschen und Russen aufzubauen. Man habe Vieles zu ökonomisch gedacht. Er selbst verbinde als Musiker mit Russland vor allem die Liebe zum großen Komponisten Dimitri Schostakowitsch, den er immer sehr verehrt habe. Dessen 5. und 8. Sinfonie seien einfach nur großartig. Auch in der DDR habe es große Kunst gegeben, wie etwa die Gemälde von Werner Tübke und Bernhard Heisig oder die Orchesterkultur wie die der Staatskapelle Dresden. Die Veranstaltung klang im Garten des Magnus-Hauses mit angeregten Gesprächen und interessanten Begegnungen aus.

 

 
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